Rück- und Ausblicke

Samstag, 02. August 2014 (9.00 Uhr bis 12.00 Uhr)
Exkursion in der Stippbach – Waldnaturschutz“ mit der Fachgruppe Natur und Umwelt

Treffpunkt: Holzlagerplatz am „Festen Weg“ in der Stippbach

Outdoorfreunde – aufgepasst !
Die Fachgruppe Natur und Umwelt bietet eine besondere Sommer - Exkursion zum Wald - Naturschutzprojekt ins Sinner Stippbachtal. Unter Führung des Revierleiters von HESSEN FORST , Herrn Robert Mann, werden wir erfahren, daß moderner und integrierter Waldnaturschutz nicht nur am Amazonas stattfindet.

Um den Wald mal aus einer ganz anderen Perspektive kennenzulernen, treffen wir uns um am Samstag, den 02.08.2014 um 9.00 Uhr am Holzlagerplatz am „Festen Weg“, etwa 1 km hinter dem Ortsausgang Sinn am Verbindungsweg Sinn – Kölschhausen.
Wir werden etwa 3 Stunden im Gelände unterwegs sein. Mitzubringen sind festes Schuhwerk und gegebenenfalls Wetterschutzbekleidung. Hunde müssen angeleint werden. Verpflegung aus dem Rucksack.

Information

In der Gemeinde Sinn haben wir 1091 Hektar Wald. Das sind 58 % der Gemeindefläche. Der Bereich der Stippbach ist Staatswald und damit im Besitz des Landes Hessen. Er wird durch den Landesbetrieb HESSEN FORST mit Sitz in Kassel bewirtschaftet. Seit der letzten Forstreform wird die Stippbach vom Forstamt in Wetzlar aus verwaltet, das Gebiet gehört zur Revierförsterei Lemp.
Die Stippbach befindet sich innerhalb des Gebirgszuges der Hörre, einem großen zusammenhängenden Waldgebiet. Die Hörre war zu Zeiten des Herzogtums Nassau im Besitz des Landesherren und wurde in großen Teilen von der Oberförsterei Sinn, die sich am landesherrlichen Hofgut Sinn befand, verwaltet. So gibt es in Sinn einige ehemalige Forsthäuser aus dieser Zeit.
Das mit dem landesherrlichen Wappen geschmückte Hofportal existiert noch am Gebäude der Firma Doering an der Bundesstrasse.

Das Gebiet der Stippbach war in den letzten Jahrhunderten die meiste Zeit unbesiedelt, lediglich im Mittelalter ist in der Nähe des Abzweiges nach Kölschhausen der sogenannte „Dernbacher Hof“ urkundlich erwähnt. Um diesen stritten die Herren von Bicken und die Nassauer. Die Waldungen der Hörre sind geprägt durch Eichen und Buchen. Die Eiche wurde früher mühsam gehegt und gepflegt, war sie doch das wichtigste Bauholz. Am Rande der Hörre außerhalb des Landeswaldes finden sich mehr Nadelbaumarten, so finden wir am Sinner Schwimmbad und auf der Hardt etwa 130 bis 160 Jahre alte Kiefern. Diese wurden als Wiederaufforstung von überweideten Flächen ab Mitte des 19. Jahrhunderts angepflanzt, da die ausgelaugten Böden lediglich für Kiefern geeignet waren. Heute werden diese Flächen zunehmend in die ursprünglichen Laubholzbestände umgewandelt, so zu sehen auf der Hardt. Auf schwierigen Böden wird in der Hörre heute die Douglasie als Nutzholz angebaut, sie kommt mit den trockenen Schieferböden gut zurecht.

In der Hörre finden wir Spuren von Bergbau, Holzkohlenmeilern und Eisenverhüttung, die bis in die Zeit der Kelten zurückführen. An der Mündung der Stippbach in die Dillauen – im heutigen Storchenweg – ist bei Ausschachtungsarbeiten in den 50 er Jahren eine keltische Siedlung nachgewiesen worden. Weiterhin finden wir die Spuren alter Handelswege (Rennweg, alter Postweg), Ziehwege für Gespanne und die sogannten „Hüttenpfädchen“, auf denen noch bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts die Arbeiter aus den umliegenden Dörfern zu Sinner Hütte gelaufen sind.

Heute wird die Hörre von geschlossenen Waldungen bestimmt, die bis an die Dorfränder reichen. Nur einige Wiesentäler unterbrechen den Waldbestand. Im Bereich des Artenschutzes haben wir hier die Kernzone des Verbreitungsgebietes der Buche, an den Südhängen flankiert von Eichen und Hainbuchen. So ist es ein besondere Verpflichtung, diese Waldgesellschaften mit den darin vorkommenden Arten zu schützen. Seit den 90 er Jahren des letzten Jahrhunderts hat ein Umdenken begonnen, die Forstwirtschaft auf einen stabilen, artenreichen und gesunden Waldbestand auszurichten. Das „Waldsterben“ , die Umweltbewegung und die großen Stürme und Dürreperioden, denen besonders die Fichte immer wieder zum Opfer fällt, waren dazu ausschlaggebend.
In der Hörre blicken wir mittlerweile auf 25 Jahre Waldumbau zurück, der sich zunehmend an ökologischen Kriterien orientiert. Heute gilt in der Hörre das Modell des integrierten Waldnaturschutzes, welches Holznutzung, Erholung, Schutz – und Klimafunktion des Waldes mit dem Artenschutz zusammenführen soll.

[Thomas Klute]


Link zum Thema Waldnaturschutz:

http://www.hessen-forst.de/naturschutz-naturschutzleitlinie-1267.html

Infos zum Thema Geschichte von Sinn:
Förderkreis Sinn e.V.(Hrsg), Sinner Geschichte und Geschichten von Erhard Metz, erhältlich beim Förderkreis Sinn e.V.

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